Zur Zeit gibt es im Netz eine relativ große Diskussion über Spielemagazine und ob diese noch zeitgemäß sind oder jemals waren. Angestoßen wurde der ganze Rummel von Christian Schmitt der lange Zeit für die Game Star geschrieben hat und dort zum Ende hin auch als stellvertretender Chefredakteur tätig war. In einem Artikel auf Spiegel Online äußert er sich jetzt über die Branche der Spielemagazine und das nicht sonderlich positiv. Seiner Meinung nach sind die Printmedien, also Zeitschriften, am Ende angekommen und tragen an diesem Umstand selbst Schuld. Unter anderem kritisiert er, dass Spiele immer nur nach ihren einzelnen Elementen bewertet werden und viel zu wenig nach künstlerischen und gesellschaftlichen Hintergründen. Den entsprechenden Artikel findet ihr HIER und solltet ihn eventuell auch lesen bevor es hier weiter geht.

Nach diesem Beitrag haben sich verschiedene andere Leute zu Wort gemeldet. Die Interessantesten sind dabei sind wohl Mick Schnelle auf Gamers Global, selbst viele Jahre bei Game Star tätig und auch Kollege von Christian Schmitt dort. Auch ein Beitrag von Area Games ist lesenswert. Das es ein enormes Interesse an dem Thema gibt zeigen auch die Kommentare die auf Gamers Global welche knapp an die 500 heran kommen.

Ich will mich jetzt aber nicht daran aufhängen wer hat recht, wer hat unrecht. Meiner Meinung nach haben alle Partein irgendwo recht denn, dass die Printmedien in den letzten Jahren immer weniger Käufer gefunden haben ist kein Geheimnis und dass die Spielebranche davon am stärksten betroffen ist auch nicht. Trotzdem denke ich nicht, dass sich ein Spielemagazin heute nicht mehr halten kann. Ich meine schauen wir doch nur mal in die 90er Jahre zurück. Damals war PC und Videogaming ein Hobby für Nerds und Kinder, wobei besonders die Kinder wohl ehr keine Spielezeitschriften gekauft haben. Und doch konnte damals schon Verlage mit diesen Magazinen Geld machen. Ich würde sogar sagen, dass damals sogar das Journalisten Leben einfacher war und man besser verdient hat als heute wo viele nur noch Nebenberuflich schreiben. Schaue ich in eine aktuelle Game Star Ausgabe dann stammen die Hälfte der Tests von Marin Deppe der nur ein freier Redakteur ist. Gleichzeitig nimmt der gefühlte Umfang einer Ausgabe immer weiter ab. Da finden wir in einer Gamestar vielleicht 4-5 Tests zu Spielen und eine weitere Hand voll Previews zu kommenden Spielen. Tests zu kleineren Spielen die eine Seite oder eine halbe in Anspruch nehmen gibt es gar nicht mehr und selbst sehr gute Titel wie Worms Reloaded (Game Star 84%) finden ihren Weg nicht mehr ins Heft sondern sind nur noch im Internet zu finden. Auch das Drakensang Addon Phileassons Geheimnis fand seinen Weg nie ins Heft. Dabei wäre es gerade hier wichtig gewesen die Kunden zu informieren, dass das Spiel trotz zwei genialer voll preis Spielen nur Müll ist. Ich selbst habe erst Monate nach dem Erscheinen herausgefunden, dass es das Spiel überhaupt gibt. Immerhin denkt man als Game Star Leser informiert zu sein. Eine weitere Sache sind dann auch Tests die im Internet wesentlich umfangreicher ausfallen als in der späteren Printausgabe. Oft hat man da das Gefühl als jemand der für das was er liest bezahlt auch noch schlechter behandelt zu werden.

All diese Sachen haben wohl nicht zu unrecht dazu geführt, dass die Printmagazine heute dort stehen wo sie stehen. Am Abgrund. Aber meiner Meinung nach müssten sie gar nicht dort stehen. Meiner Meinung nach sollte eine Zeitschrift wie die Game Star sich mal überlegen was sie wollen. In der heutigen Zeit kann doch jeder ein Test zu einem Spiel schreiben und diesen dann ins Internet hoch laden, selbst ich kann das. Dabei greifen aber die meisten immer nur genau das auf was Christian Schmitt in seinem Artikel so bemängelt. Sie arbeiten die Spiele nach ihren einzelnen Features ab und bilden dann daraus eine Wertung. Auch ich mache das so. Für Kunden ist so was wichtig um zu wissen ob man sich ein Spiel kaufen sollte oder nicht und auch ich lese solche Berichte immer wieder gern. Aber als Game Star hat man doch wesentlich mehr Möglichkeiten als einen einfachen Test zu schreiben. Nehmen wir nur mal das aktuelle Beispiel Deus Ex 3.

Im Internet gibt es massenhaft Tests zu diesem Spiel. Als Spielemagazin sollte man das Spiel natürlich auch testen. Aber warum nicht einen Schritt weiter gehen? Warum nicht auch einfach mal in einer der vielen Universitäten in Deutschland anrufen und mit jemanden darüber sprechen ob die technischen Körperteile in naher oder ferner Zukunft möglich sind und ob sich unsere Welt wirklich in diese Richtung bewegt? Warum nicht ein Streitgespräch zwischen zwei Redakteuren machen in dem es um die bionisierung der Menschheit geht. Warum nicht einen Artikel darüber schreiben wo in den Medien ähnliche Themen wie in Deus Ex angesprochen werden. Angefangen bei 1984, über Blade Runner hin zu Ghost in the Shell (sollte jeder gesehen haben!). Als Spielemagazin hat man doch so viele Möglichkeiten um mehr zu bieten als die ganzen Blogs und Internetspielseiten dort draußen. Also warum nutzt man die Chance nicht? Ich wäre sogar bereit für eine solche Zeitung 10€ statt 5€ im Monat zu zahlen (aktuell nicht, aber generell).

Womit wir auch beim Problem wären, dem Geld. Wenn Spielemagazine 90% ihres Heftes vorab im Internet veröffentlichen dann ist es klar, dass keiner mehr die Printausgaben kauft. Warum auch? Also muss man sich etwas einfallen lassen. Meiner Meinung nach sollte man nur noch die News auf den Homepages veröffentlichen da es dort auf Geschwindigkeit ankommt. So kleine Neuigkeiten gehören ins Internet. Gleichzeitig sollte man aber auf Tests, Vorschauartikel und ähnliches verzichten und diese nur für die Printausgaben aufheben. Als alternative zu den Printmedien kann man sich die Zeitschrift auch online kaufen (billiger, immerhin verzichtet man auf Papier /DVDs, aber nicht kostenlos). Eventuell kann man auch einzelne Artikel aus der Zeitschrift in Form von Microtransaktionen verkaufen. Damit wäre sichergestellt, dass die Mühe der Redakteure auch gewürdigt und honoriert wird. Im Gegenzug sollte man aber auch darauf achten, dass die Homepages nur auf Werbung zurück greifen die den Leuten auch zumutbar ist. Aktuell darf man sich auf vielen Seiten erst mal durch 4 Anzeigen wühlen bis man überhaupt die eigentliche Seite sieht. Ich denke es würde immer noch genug Nerds geben die ein solche Magazin am laufen halten und es vielleicht sogar größer machen als alles was in der Vergangenheit so da war. Nur müssen dann wie oben erwähnt auch die Inhalte stimmen.

Von einer Abkehr der Hardcorespieler hin zu Gelegenheitsspielern wie sie von Christian Schmitt gewünscht wird halte ich aber nicht viel. Klar könnte man so eine Zeitschrift entwerfen und würde eventuell auch damit Erfolg haben, zeitgleich würde man aber auch alle treuen Stammleser die die Magazine groß gemacht haben verlieren da diese sich einfach nicht für Facebook und Smartphone spiele interessieren. Zumindest nicht primär.

 

MfG Thomas